Welche Reinheit verlangt die Norm, warum ist sie so schwer einzuhalten, und was leistet ein spezialisiertes Labor dabei? Hier beantworten wir die Fragen, die uns Betreiber, Planer und Einkäufer am häufigsten stellen.
Brennstoffzellen reagieren empfindlich auf Verunreinigungen. Schon Spuren von Wasser, Schwefelverbindungen, Kohlenmonoxid, Ammoniak, Ölen oder Partikeln können die Leistung mindern und den Zellstapel dauerhaft schädigen. Die Grenzwerte liegen deshalb im Bereich einzelner Teile pro Milliarde – eine Größenordnung, die sich nur messtechnisch belegen lässt.
Die Analyse weist nach, ob der Wasserstoff die Anforderungen der ISO 14687 und der DIN EN 17124 für Fahrzeuganwendungen einhält. Für Betreiber ist dieser Nachweis doppelt relevant: Er sichert den zuverlässigen Betrieb der Fahrzeuge – und er dokumentiert die gelieferte Qualität, falls es zu einem Schadensfall kommt.
Seit 2021 haben wir uns auf die H2-Analytik nach ISO 14687 und DIN EN 17124 spezialisiert. In Berlin betreiben wir dafür eines der modernsten Labore Europas; mit unseren beiden mobilen Laboren prüfen wir die Wasserstoffreinheit europaweit direkt vor Ort.
Um die Probenahme kümmern wir uns ebenfalls: Wir stellen professionelle Entnahmekits und geeignete Probenahmebehälter bereit und übernehmen auf Wunsch die gesamte Transportlogistik. Für Produktionsstandorte planen und implementieren wir darüber hinaus Prozessüberwachungssysteme, die die Gasqualität 24/7 überwachen.
Zwischen 2022 und Mitte 2026 haben wir 804 Prüfberichte für rund 80 Kunden erstellt. 732 dieser Proben lassen sich gegen ISO 14687 bewerten – 44,7 % von ihnen hielten mindestens einen Grenzwert nicht ein.
Diese Zahl ist bewusst mit Vorsicht zu lesen. Sie ist kein Durchschnitt des europäischen Wasserstoffs, sondern das Ergebnis der Arbeit eines Prüflabors: Wir werden oft gerufen, wenn ein Problem bereits vermutet wird – und dann mehrfach, bis es behoben ist. Aussagekräftig ist deshalb weniger die absolute Höhe als der Vergleich zwischen den Anlagentypen, denn dort hat dasselbe Labor dieselben Methoden angewandt.
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732 nach ISO 14687 bewertbare Proben aus 804 Prüfberichten, 2022 bis Mitte 2026.
Das Muster ist eindeutig: Je weiter eine Probe von der Erzeugung entfernt genommen wird, desto häufiger liegt sie außerhalb der Spezifikation. An Elektrolyseuren sind es 21,4 %, bei Trailern 53,6 %. Der Wasserstoff, der den Elektrolyseur verlässt, ist in Ordnung – was nach Transport und Zwischenlagerung ankommt, ist ein anderes Produkt.
Häufigste Ursache ist über alle Anlagentypen hinweg Wasser. Bei Trailern kommen Stickstoff (28,8 %) und Sauerstoff (19,2 %) hinzu; das Verhältnis der beiden weist auf Restluft hin. Die Katalysatorgifte – Kohlenmonoxid, Schwefel, Ammoniak, halogenierte Verbindungen – treten dagegen fast überall unter drei Prozent auf. Sie sind selten, schädigen die Brennstoffzelle aber irreversibel.
Anteil beanstandeter Proben an Wasserstofftankstellen. Der Wert für 2022 beruht auf 19 Proben, der für 2025 auf über 270. Das Jahr 2026 ist noch nicht vollständig.
Und die ermutigende Seite: An Wasserstofftankstellen ist der Anteil beanstandeter Proben von 86 % im Jahr 2022 auf 3 % gefallen, bei gleichzeitig stark wachsender Probenzahl. Ein Beweis ist das nicht – der Kundenkreis hat sich über die Jahre ebenfalls verändert. Die Richtung ist aber unmissverständlich und deckt sich mit dem, was uns Betreiber berichten: Sind die kritischen Punkte bekannt und werden sie regelmäßig geprüft, sinkt die Quote.
Das Problem ist damit beherrschbar – es ist keine grundsätzliche Grenze der Technologie. Es löst sich aber nicht von selbst, und eine lückenlose Messung aller Komponenten an jedem Übergabepunkt ist wirtschaftlich nicht darstellbar. Was bleibt, ist ein risikobasiertes Überwachungskonzept: messen, wo das Risiko liegt.
Ihre Frage ist nicht dabei? Schreiben Sie uns – wir antworten persönlich und nehmen die Frage gern hier mit auf.